Zistrosentee (Cistus incanus): Wirkung und was belegt ist

Kurz gesagt: Die Zistrose – botanisch Cistus incanus – enthält außergewöhnlich viele Polyphenole. Im Labor zeigen Extrakte antioxidative und antivirale Effekte. Belastbare Belege für eine Wirkung beim Menschen fehlen weitgehend; Heilaussagen sind entsprechend nicht zulässig.

Zwischen „wirkt in der Zellkultur“ und „hilft dem Menschen“ liegen mehrere Studienstufen. Bei der Zistrose ist die Kette nicht geschlossen.

Was die Pflanze ist

Die Graubehaarte Zistrose ist ein Strauch des Mittelmeerraums mit rosafarbenen Blüten. Verwendet werden das Kraut und die Blätter.

Ihr Polyphenolgehalt gehört zu den höchsten aller untersuchten Pflanzen – deutlich über dem von grünem Tee oder Rotwein.

Was untersucht ist

Antioxidative Wirkung. Im Reagenzglas gut belegt – wie bei vielen polyphenolreichen Pflanzen.

Antivirale Effekte. Laborstudien fanden Hinweise darauf, dass Extrakte das Anheften bestimmter Viren an Zellen behindern. Untersucht wurde das in Zellkulturen, nicht am Menschen im Alltag.

Mund- und Rachenraum. Zu Lutschtabletten mit Zistrosenextrakt gibt es kleinere Studien bei Halsbeschwerden mit uneinheitlichen Ergebnissen.

Der europäische Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel führt für die Zistrose keine anerkannte Anwendung.

Warum die Werbung vorsichtig sein muss

Gesundheitsbezogene Aussagen über Lebensmittel sind in der EU nur zulässig, wenn sie zugelassen sind. Für Zistrose ist keine solche Angabe zugelassen.

Wer im Handel Formulierungen zu Immunsystem oder Viren liest, sollte wissen: Diese Aussagen sind rechtlich nicht gedeckt.

Zubereitung

Ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Kraut mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergießen und 5 Minuten ziehen lassen. Länger gezogen wird der Tee durch die Gerbstoffe deutlich herb.

Für Gurgellösungen wird stärker aufgegossen und abgekühlt verwendet.

Worauf zu achten ist

Gerbstoffe können die Aufnahme von Eisen und einigen Medikamenten behindern – zeitlicher Abstand von zwei Stunden ist sinnvoll.

Schwermetalle. Bei Kräutern aus unklarer Herkunft ist Belastung möglich. Ware mit Prüfangaben ist die sichere Wahl.

Verwechslung. Es gibt viele Cistus-Arten; für Tee wird Cistus incanus verwendet.

Häufige Fragen

Hilft Zistrosentee gegen Erkältung?

Ein belastbarer Nachweis fehlt. Warme Flüssigkeit tut bei Halsschmerzen unabhängig davon gut.

Enthält er Koffein?

Nein.

Wie schmeckt er?

Herb und leicht harzig – ungewohnt für viele.

Ist er in der Schwangerschaft erlaubt?

Dazu fehlen Daten. Im Zweifel ärztlich abklären.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

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