Grüner Tee: Dosierung, Wassertemperatur und Ziehzeit

Kurzantwort: Rechne mit rund zwei Gramm grünem Tee je 200 Milliliter, also etwa einem gehäuften Teelöffel. Das Wasser sollte bei 70 bis 80 Grad liegen, die Ziehzeit bei zwei bis drei Minuten. Für einen Liter nimmst du 10 bis 12 Gramm. Drei bis vier Tassen am Tag sind für gesunde Erwachsene unproblematisch.

Grüner Tee verzeiht wenig. Zu heißes Wasser oder eine Minute zu lang, und aus dem feinen Aufguss wird ein bitterer.

Die gute Nachricht: Drei Größen entscheiden fast alles. Menge, Temperatur, Zeit.

Hier stehen die Werte, die Abweichungen für einzelne Sorten und die Frage, ab wann es zu viel wird.

Wie viel Blatt pro Tasse

Zwei Gramm auf 200 Milliliter sind der übliche Ausgangspunkt. Das entspricht grob einem gehäuften Teelöffel.

Für eine Kanne mit einem Liter nimmst du 10 bis 12 Gramm, also etwa fünf bis sechs Teelöffel.

Der Teelöffel ist ungenau. Ein Löffel schwerer, gerollter Gyokuro-Blätter wiegt fast das Doppelte eines Löffels luftiger Bancha-Blätter.

Eine Küchenwaage mit Zehntelgramm löst das Problem in zwei Wochen. Danach hast du das Gefühl im Löffel und brauchst sie nicht mehr.

Beuteltee ist vordosiert, meist 1,5 bis 2 Gramm. Ein Beutel ist für eine Tasse gedacht, nicht für eine Kanne.

Wer eine große Tasse von 300 Millilitern nutzt, braucht entsprechend mehr Blatt. Sonst schmeckt der Aufguss dünn, und Nachziehen macht ihn nur herb.

Die richtige Wassertemperatur

70 bis 80 Grad passen für die meisten grünen Tees. Kochendes Wasser löst zu viele Gerbstoffe und macht den Aufguss hart.

Ohne Thermometer hilft Warten: Koche das Wasser auf und lass es fünf Minuten offen stehen. Dann liegt es je nach Raum bei etwa 80 Grad.

Gyokuro und andere Schattentees wollen es kühler, 50 bis 60 Grad. Dann tritt die Süße hervor und die Herbheit bleibt zurück.

Bancha, Kukicha und geröstetes Hojicha vertragen 90 Grad und mehr. Ihre Blätter sind älter und geben weniger Gerbstoffe ab.

Kaltes Wasser geht auch. Für den Kaltaufguss brauchst du sechs bis zwölf Stunden im Kühlschrank.

Wie lange ziehen lassen

Zwei bis drei Minuten für den ersten Aufguss. Bei Gyokuro reicht oft eine gute Minute.

Länger bringt kaum mehr Aroma und deutlich mehr Herbheit. Die Gerbstoffe lösen sich langsamer als die Aromastoffe.

Nimm die Blätter danach aus dem Wasser. Bleiben sie in der Kanne, zieht der Tee weiter.

Zweiter und dritter Aufguss brauchen kürzere Zeiten, oft 30 bis 60 Sekunden, dafür etwas heißeres Wasser. Die Blätter sind schon geöffnet.

Ein Wecker hilft mehr, als es klingt. Die meisten schätzen zwei Minuten deutlich zu kurz und lassen den Tee tatsächlich vier Minuten stehen.

Nasse Blätter halten sich einige Stunden bei Zimmertemperatur. Über Nacht stehen lassen und am nächsten Tag aufgießen solltest du sie nicht.

Wie viel Koffein dabei herauskommt

Koffein geht mit der Ziehzeit ins Wasser über. Eine Untersuchung von 1996 fand nach fünf Minuten rund 70 Prozent des im Blatt enthaltenen Koffeins im Aufguss, der zweite Aufguss lieferte etwa ein Drittel des ersten.

Das kursierende Hausrezept, den ersten Aufguss nach 30 Sekunden wegzuschütten und so den Tee zu entkoffeinieren, ist damit nicht belegt.

Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis zu 400 Milligramm Koffein am Tag und Einzeldosen bis 200 Milligramm für unbedenklich.

Für Schwangere und Stillende liegt der Wert bei 200 Milligramm am Tag. Für Kinder und Jugendliche gelten 3 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht.

Wie viele Tassen am Tag

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene zwischen 25 und 51 Jahren rund 1.410 Milliliter Wasser aus Getränken am Tag.

Kaffee und Tee zählen dabei mit. Als Genussmittel empfiehlt die DGE dennoch Zurückhaltung und nennt drei bis vier Tassen.

Wer mehr trinkt, sollte auf Schlaf, Unruhe und Magenverträglichkeit achten. Diese drei Punkte setzen die Grenze schneller als jede Tabelle.

Bei Eisenmangel gilt zusätzlich: Abstand zwischen Tasse und eisenreicher Mahlzeit oder Präparat.

Der Zeitpunkt zählt ebenfalls. Koffein hat eine Halbwertszeit von mehreren Stunden, deshalb wirkt eine Tasse um 17 Uhr bei manchen noch um Mitternacht.

Wer abends nicht verzichten mag, wechselt auf Bancha, Kukicha oder Hojicha. Sie enthalten deutlich weniger Koffein als Sencha oder Gyokuro.

Matcha ist eine eigene Rechnung

Bei Matcha trinkst du das gemahlene Blatt mit. Eine Extraktion ist das nicht — das Pulver bleibt im Wasser verteilt.

Üblich sind ein bis zwei Gramm Pulver auf 70 bis 100 Milliliter Wasser bei etwa 80 Grad.

Weil das ganze Blatt in die Schale geht, nimmst du mehr Koffein und mehr Catechine auf als bei einer Tasse gewöhnlichem Grüntee.

Zwei Schalen am Tag sind für die meisten unproblematisch. Wer empfindlich auf Koffein reagiert, bleibt bei einer.

Für Usucha, den dünnen Matcha, gilt der niedrigere Wert. Koicha, der dicke Matcha, arbeitet mit der doppelten Pulvermenge auf weniger Wasser.

Häufige Fragen

Wie viel Gramm grüner Tee pro Liter?

10 bis 12 Gramm. Bei sehr feinblättrigen Sorten reichen 8 bis 10 Gramm.

Wie heiß darf das Wasser sein?

70 bis 80 Grad für die meisten Sorten, 50 bis 60 Grad für Gyokuro, bis 90 Grad für Bancha und Hojicha.

Was passiert bei zu langer Ziehzeit?

Der Tee wird herb und adstringierend, weil mehr Gerbstoffe ins Wasser gehen. Aroma kommt kaum noch dazu.

Kann ich grünen Tee mehrfach aufgießen?

Ja, zwei bis drei Aufgüsse sind üblich. Verkürze die Zeit und erhöhe die Temperatur leicht.

Wie dosiere ich ohne Waage?

Ein gehäufter Teelöffel je Tasse ist der Richtwert. Bei sehr leichten Blättern nimmst du etwas mehr, bei schweren gerollten etwas weniger.

Wie viel Tee ist zu viel?

Die Grenze setzt das Koffein. Wenn Schlaf, Puls oder Magen reagieren, ist die Menge zu hoch.

Quellen

EFSA: Koffein — Bewertung unbedenklicher Mengen
DGE: Referenzwerte für die Wasserzufuhr
Hicks, Hsieh & Bell, Food Research International 1996: Teezubereitung und Methylxanthingehalt
BMLEH: Leitsätze für Tee, Kräuter- und Früchtetee

Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.

Nach oben scrollen