Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Pfefferminztee in der Stillzeit gilt als milchhemmend. Belastbare Studien am Menschen gibt es dafür nicht. Die Plattform Gesund ins Leben schreibt, dass sich die Wirkung von Pfefferminze und Salbei auf die Milchmenge wissenschaftlich nicht zuverlässig bewerten lässt. Eine gelegentliche Tasse gilt bei gut eingespieltem Stillen als unbedenklich. Wer große Mengen trinkt oder ohnehin wenig Milch hat, sollte vorsichtig sein. Pfefferminzöl gehört dagegen nie in die Nähe des Babys.
Das Wichtigste in Kürze
- Die abstillende Wirkung von Pfefferminztee ist beim Menschen nicht belegt.
- Ein bis zwei Tassen am Tag gelten bei stabiler Milchmenge meist als unproblematisch.
- Menthol aus Pfefferminzöl kann bei Säuglingen die Atemwege verengen.
- Die Milchmenge steuern vor allem häufiges Anlegen und die Hormone.
Woher der Ruf als Abstilltee kommt
In Deutschland zählen Pfefferminze und Salbei zu den klassischen Abstillhelfern. Hebammen empfehlen beide Tees seit Jahrzehnten, wenn die Milch nach dem Abstillen versiegen soll. Das Wissen stammt aus der Erfahrungsheilkunde. Kontrollierte Studien mit stillenden Frauen fehlen.
Laborversuche an Milchdrüsenzellen und Versuchstieren deuten darauf hin, dass Menthol die Milchbildung hemmen kann. Diese Versuche arbeiten aber mit konzentrierten Wirkstoffen. Eine Tasse Tee enthält deutlich weniger Menthol. Übertragbar sind die Ergebnisse deshalb nur begrenzt.
Auffällig ist der kulturelle Unterschied. In Marokko trinken viele Mütter täglich Minztee und stillen trotzdem lange. Das Magazin familie.de beruft sich dabei auf die La Leche Liga Deutschland. Nach deren Einschätzung regeln Hormone, richtiges Saugen und häufiges Anlegen die Milchmenge.
Kurzantwort: Pfefferminztee wirkt in der Stillzeit nach heutigem Wissen nicht sicher abstillend. Eine Tasse schadet bei gutem Stillverlauf kaum, große Mengen können bei empfindlichen Frauen die Milch verringern.
Wie viel Pfefferminztee in der Stillzeit?
Eine feste Grenze gibt es nicht. In der Praxis hat sich ein vorsichtiges Vorgehen bewährt. Ein Vorteil: Pfefferminztee ist von Natur aus koffeinfrei. Gegenüber Schwarztee und grünem Tee ist das in der Stillzeit ein Plus. Viele Mütter schätzen den Tee außerdem bei Völlegefühl und Blähungen nach der Geburt. Wer testen möchte, startet mit einer schwachen Tasse und beobachtet die Milchmenge über einige Tage.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Stillen läuft gut, genug Milch | ein bis zwei Tassen am Tag meist unproblematisch |
| Milchmenge knapp oder Baby nimmt schlecht zu | Pfefferminztee eher meiden und mit der Hebamme sprechen |
| Milchstau oder zu viel Milch | gezielter Einsatz nach Absprache mit Hebamme oder Stillberaterin |
| Abstillen gewünscht | mehrere Tassen am Tag als traditionelle Unterstützung |
Ein Beispiel: Eine Mutter mit vollem Stillrhythmus trinkt nach dem Mittagessen eine Tasse Pfefferminztee gegen Völlegefühl. Das gilt als unbedenklich. Wer dagegen drei Liter Minztee am Tag trinkt, weil der Tee gut schmeckt, sollte die Menge reduzieren.
Die echte Gefahr: Pfefferminzöl und Menthol
Deutlich ernster als der Tee ist das ätherische Öl. Menthol kann bei Säuglingen und Kleinkindern einen Krampf der Atemwege auslösen. Im schlimmsten Fall droht Atemnot. Deshalb gilt:
- Kein Pfefferminzöl auf Brust, Hals oder Gesicht auftragen.
- Keine Mentholsalben oder Erkältungsbalsame im Brustbereich verwenden.
- Nach dem Einreiben an anderen Körperstellen gründlich die Hände waschen.
- Mentholhaltige Duftlampen nicht im Kinderzimmer betreiben.
Der Tee selbst enthält nur einen kleinen Teil der Öle aus den Blättern. Laut Wikipedia verlangt das Arzneibuch für Pfefferminzblätter mindestens 1,2 Prozent ätherisches Öl. In der Tasse landet nur ein Bruchteil davon.
Kurzantwort: Pfefferminzöl und Mentholsalben gehören in der Stillzeit nicht auf die Brust. Das Menthol kann beim Baby die Atemwege verkrampfen.
Pfefferminztee gezielt zum Abstillen nutzen
Viele Frauen nutzen Pfefferminze und Salbei bewusst beim Abstillen. Das ist ein traditioneller Weg, der den Prozess begleiten kann. Wichtiger sind langsame Schritte. Eine Stillmahlzeit nach der anderen wegzulassen, gibt der Brust Zeit zur Anpassung. So sinkt das Risiko für einen Milchstau. Mehr zu Salbei steht im Beitrag über Salbeitee in der Stillzeit.
Gute Alternativen in der Stillzeit
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, greift zu milden Sorten. Fenchel, Anis und Kümmel kommen in klassischen Stilltees vor. Laut Gesund ins Leben gibt es allerdings keine Studien, die eine milchfördernde Wirkung dieser Tees belegen. Wichtig ist ausreichend Trinken nach Durst. Ein Glas Wasser bei jeder Stillmahlzeit ist eine einfache Faustregel.
- Kamillentee beruhigt und ist meist gut verträglich. Mehr dazu unter Kamillentee beim Stillen.
- Rooibos ist koffeinfrei und mild.
- Früchtetee ohne Zusatzstoffe eignet sich als Durstlöscher.
Eine Übersicht über erlaubte Sorten bietet der Ratgeber Welcher Tee in der Stillzeit.
Fazit
Pfefferminztee in der Stillzeit ist kein Tabu. Die abstillende Wirkung ist beim Menschen nicht belegt. Wer gut stillt, kann eine Tasse genießen. Bei knapper Milchmenge ist Zurückhaltung sinnvoll. Pfefferminzöl und Mentholsalben gehören in keinem Fall an die Brust oder in die Nähe des Babys.
FAQ – Häufige Fragen
Darf man in der Stillzeit Pfefferminztee trinken?
Ja, in kleinen Mengen. Ein bis zwei Tassen am Tag gelten bei gutem Stillverlauf als unproblematisch.
Wirkt Pfefferminztee abstillend?
Das ist beim Menschen nicht wissenschaftlich belegt. Einzelne Frauen berichten über weniger Milch bei großen Mengen.
Ab wie vielen Tassen wird es kritisch?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Bei mehreren Tassen täglich und sinkender Milchmenge lohnt sich eine Pause.
Ist Minztee dasselbe wie Pfefferminztee?
Nicht ganz. Marokkanische Minze ist meist Grüne Minze mit weniger Menthol als Pfefferminze.
Kann Pfefferminztee dem Baby schaden?
Über den Tee ist kein Schaden bekannt. Gefährlich ist Menthol, wenn das Baby es direkt einatmet.
Hilft Pfefferminztee beim Abstillen?
Er gilt als traditionelle Unterstützung. Entscheidend ist das schrittweise Weglassen der Stillmahlzeiten.
Darf man Pfefferminzbonbons essen?
Gelegentlich ja. Große Mengen Menthol sind in der Stillzeit nicht nötig.
Was tun bei Milchstau?
Häufig anlegen, Wärme vor und Kühlung nach dem Stillen. Bei Fieber zur Hebamme oder Ärztin.
Welcher Tee fördert die Milch?
Stilltees mit Fenchel oder Anis sind beliebt. Eine milchfördernde Wirkung ist aber nicht durch Studien belegt.
Wer berät bei Stillfragen?
Hebammen, Stillberaterinnen und Kinderärzte. Auch die La Leche Liga bietet Beratung an.
Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Beratung durch eine Hebamme.
Quellen
- Gesund ins Leben: Fragen und Mythen rund ums Stillen
- familie.de: Pfefferminztee und Stillen
- Wikipedia: Echte Pfefferminze
Serafina liebt Suppen, Eintöpfe und alles, was lange auf dem Herd stehen darf. Sie schreibt über Rezepte, die man am nächsten Tag noch lieber isst.





