Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Kamillentee beim Stillen gilt in üblichen Mengen als gut verträglich. Er enthält kein Koffein und ist als milder Kräutertee eine gute Ergänzung zu Wasser. Wichtig sind zwei Punkte: Bei einer Allergie gegen Korbblütler ist Kamille tabu. Zudem empfiehlt die Verbraucherzentrale Stillenden, Kräutertees mit anderen Getränken abzuwechseln.
Das Wichtigste in Kürze
- Kamillentee ist koffeinfrei und mild.
- Nicht bei Allergie gegen Korbblütler trinken.
- Kräutertee mit Wasser und anderen Getränken abwechseln.
- Eine Wirkung auf die Milchmenge ist nicht belegt.
Darf man Kamillentee in der Stillzeit trinken?
Ja. Das Netzwerk Gesund ins Leben nennt für die Stillzeit Getränke ohne Kalorien als besonders geeignet. Dazu zählen Wasser und ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee. Kamillentee passt in diese Gruppe. Er enthält kein Koffein und stört den Schlaf von Mutter und Baby deshalb nicht.
Etwas vorsichtiger klingt die Fachliteratur zu Kamille als Arzneimittel. Das Arzneipflanzen-Lexikon weist darauf hin, dass für Schwangerschaft und Stillzeit nur wenige Daten zur Sicherheit vorliegen. Das betrifft vor allem die Anwendung als Heilmittel in höherer Dosierung. Als Getränk in üblichen Mengen gilt Kamillentee dagegen allgemein als unbedenklich. Eine Übersicht über andere Sorten bietet der Beitrag Tee in der Stillzeit.
Kurzantwort: Kamillentee ist beim Stillen in üblichen Mengen erlaubt. Ausnahme ist eine Allergie gegen Korbblütler.
Was bewirkt Kamillentee?
Echte Kamille enthält ätherisches Öl mit Bisabolol und Chamazulen, dazu Flavonoide und Schleimstoffe. Das Arzneipflanzen-Lexikon nennt als anerkannte innere Anwendung leichte Magen-Darm-Beschwerden. Gemeint sind Krämpfe, Völlegefühl und Blähungen. Äußerlich wird Kamille bei leichten Entzündungen von Haut und Schleimhaut eingesetzt, etwa als Spülung im Mund.
In der Stillzeit schätzen viele Frauen den Tee vor allem als warmes, beruhigendes Getränk am Abend. Eine direkte Wirkung auf das Baby über die Muttermilch ist nicht belegt. Blähungen beim Säugling lassen sich mit Kamillentee der Mutter also kaum behandeln.
Fördert Kamillentee die Milchbildung?
Kamille steckt häufig in sogenannten Milchbildungstees. Gesund ins Leben stellt klar, dass es für solche Tees, für Fenchelsamen oder Bockshornklee keine wissenschaftlichen Belege gibt. Sie wirken höchstens als Placebo oder erhöhen die Trinkmenge. Die Milchbildung fördert vor allem häufiges Anlegen. Umgekehrt ist auch keine hemmende Wirkung der Kamille bekannt.
Anders ist es mit Pfefferminze und Salbei. Beiden wird oft eine hemmende Wirkung nachgesagt. Gesund ins Leben hält das für wissenschaftlich nicht zuverlässig bewertbar. Mehr dazu steht im Beitrag Welcher Tee nicht beim Stillen?.
Wie viel Kamillentee ist sinnvoll?
| Situation | Orientierung |
|---|---|
| Genuss im Alltag | 1 bis 3 Tassen, im Wechsel mit Wasser |
| Anwendung bei Magen-Darm-Beschwerden laut Arzneipflanzen-Lexikon | 3 bis 4 Tassen zwischen den Mahlzeiten |
| Trinken in der Stillzeit allgemein | zum Beispiel ein Glas Wasser zu jeder Stillmahlzeit |
Wer den Tee über längere Zeit als Heilmittel nutzen möchte, spricht vorher mit Hebamme oder Arztpraxis.
Kamillentee zubereiten: Schritt für Schritt
- Schritt 1: Einen Esslöffel Kamillenblüten, also etwa 3 Gramm, oder einen Beutel in die Tasse geben.
- Schritt 2: Mit 150 Millilitern heißem Wasser übergießen.
- Schritt 3: Die Tasse abdecken, damit das ätherische Öl nicht verfliegt.
- Schritt 4: 5 bis 10 Minuten ziehen lassen.
- Schritt 5: Abseihen und warm oder abgekühlt trinken.
Die Mengen stammen aus dem Arzneipflanzen-Lexikon. Tee in Arzneibuchqualität aus der Apotheke hat einen definierten Gehalt an ätherischem Öl. Echte Kamille erkennt man an ihrem hohlen Blütenboden, wenn man die Blüte längs aufschneidet.
Ein praktischer Tipp für die ersten Wochen: Eine Kanne Tee am Morgen aufbrühen und in eine Thermoskanne neben den Stillplatz stellen. Abgekühlt schmeckt Kamillentee auch als Durstlöscher im Sommer. Beim Stillen entsteht oft plötzlich Durst, dann steht das Getränk schon bereit.
Kurzantwort: Ein bis drei Tassen Kamillentee am Tag passen gut in die Stillzeit. Dazwischen sollten Wasser und andere Getränke stehen.
Wann ist Vorsicht geboten?
- Allergie gegen Korbblütler: Wer auf Arnika, Beifuß oder Ringelblume reagiert, kann auch auf Kamille reagieren.
- Hautausschlag oder Juckreiz nach dem Trinken: Tee absetzen und ärztlich abklären lassen.
- Auffälligkeiten beim Baby: Bei Unruhe oder Ausschlag nach neuen Lebensmitteln der Mutter mit Hebamme oder Kinderarztpraxis sprechen.
- Einseitiges Trinken: Nur Kräutertee über Wochen erhöht das Risiko für Pyrrolizidinalkaloide.
Pyrrolizidinalkaloide: warum Abwechslung hilft
Kräutertees können Pyrrolizidinalkaloide enthalten. Diese Pflanzenstoffe gelangen über Unkräuter bei der Ernte in den Tee. In hohen Mengen können sie die Leber schädigen. Seit dem 1. Juli 2022 gelten in der EU Höchstgehalte für bestimmte Tees. Die Verbraucherzentrale rät Schwangeren und Stillenden, Kräutertee mit anderen Getränken wie Mineralwasser abzuwechseln. Auch ein Wechsel der Sorten und Marken hilft.
Gute Alternativen für die Stillzeit stellt der Beitrag Welcher Tee in der Stillzeit? vor. Wer Mischungen mag, findet Ideen unter Kräutertee-Rezepte selber machen.
Fazit
Kamillentee beim Stillen ist in üblichen Mengen eine gute Wahl. Er ist mild, koffeinfrei und bekömmlich. Eine Wirkung auf die Milchmenge ist nicht belegt, weder fördernd noch hemmend. Bei einer Allergie gegen Korbblütler bleibt die Tasse leer. Wer Kräutertee mit Wasser und anderen Sorten abwechselt, trinkt entspannt durch die Stillzeit.
FAQ – Häufige Fragen
Darf man beim Stillen Kamillentee trinken?
Ja, in üblichen Mengen gilt er als gut verträglich.
Wie viel Kamillentee darf eine Stillende trinken?
Ein bis drei Tassen am Tag sind eine gute Orientierung, im Wechsel mit Wasser.
Hemmt Kamillentee die Milchbildung?
Nein, eine hemmende Wirkung ist nicht bekannt.
Fördert Kamillentee die Milchbildung?
Das ist nicht belegt. Häufiges Anlegen fördert die Milchbildung am stärksten.
Hilft Kamillentee der Mutter gegen Blähungen beim Baby?
Eine Wirkung über die Muttermilch ist nicht belegt.
Enthält Kamillentee Koffein?
Nein, er ist koffeinfrei.
Wer sollte keinen Kamillentee trinken?
Menschen mit Allergie gegen Korbblütler wie Arnika oder Beifuß.
Wie lange muss Kamillentee ziehen?
5 bis 10 Minuten, abgedeckt.
Warum soll man Kräutertees abwechseln?
Um die Aufnahme von Pyrrolizidinalkaloiden gering zu halten.
Welche Tees sind in der Stillzeit umstritten?
Pfefferminze und Salbei, deren Wirkung auf die Milch aber nicht sicher belegt ist.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Beratung durch die Hebamme.
Quellen
- Gesund ins Leben: Essen und Trinken in der Stillzeit
- Arzneipflanzen-Lexikon: Kamille
- Verbraucherzentrale: Pyrrolizidinalkaloide in Lebensmitteln
Marit backt seit ihrer Kindheit mit den Rezepten ihrer Großmutter und schreibt hier über Kuchen, Plätzchen und alles mit Hefe.





