Grüner Tee und Cholesterin: Was die Zahlen wirklich hergeben

Kurzantwort: Der Cochrane-Review von 2013 fand für grünen Tee eine Senkung des Gesamtcholesterins um 0,62 mmol/l und des LDL-Cholesterins um 0,64 mmol/l. Das entspricht rund 24 Milligramm je Deziliter — eine Größenordnung, die im Bereich einer leichten Erhöhung durchaus etwas ausmacht. Die Autoren betonen, dass nur wenige Studien beitrugen und längere Untersuchungen fehlen.

Cholesterinwerte stehen auf jedem zweiten Laborzettel. Wer eine Zahl im gelben Bereich sieht, sucht meist zuerst nach etwas, das ohne Tablette hilft.

Für grünen Tee gibt es dazu ausgewertete Studien. Die Werte sind größer als bei vielen anderen Hausmitteln — und trotzdem mit deutlichen Einschränkungen versehen.

Hier stehen die Zahlen, ihre Einordnung an den offiziellen Grenzwerten und der Grund, warum Kapseln keine bessere Idee sind.

Was der Cochrane-Review gefunden hat

2013 erschien der Cochrane-Review zu grünem und schwarzem Tee in der Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für grünen Tee ergaben sich statistisch signifikante Senkungen des Gesamtcholesterins um 0,62 mmol/l (95-Prozent-Konfidenzintervall −0,77 bis −0,46) und des LDL-Cholesterins um 0,64 mmol/l (−0,77 bis −0,52).

Für schwarzen Tee fiel die LDL-Senkung mit 0,43 mmol/l kleiner aus.

Auch hier gilt die Einschränkung der Autoren: Nur eine kleine Zahl von Studien trug zu jeder Auswertung bei, und es braucht längere Studien mit geringem Verzerrungsrisiko.

Wie groß das an den Grenzwerten gemessen ist

Als leicht erhöht gilt ein LDL-Wert von 130 bis 159 mg/dl, das sind 3,4 bis 4,1 mmol/l. Deutlich erhöht ist er ab 160 mg/dl beziehungsweise 4,1 mmol/l.

Beim Gesamtcholesterin liegt der leicht erhöhte Bereich bei 200 bis 239 mg/dl (5,2 bis 6,2 mmol/l), der deutlich erhöhte ab 240 mg/dl.

0,64 mmol/l entsprechen etwa 25 mg/dl. Wer bei 150 mg/dl LDL liegt, käme rechnerisch auf 125 — also aus dem leicht erhöhten Bereich heraus.

Ob dieser Rechenweg in der Praxis aufgeht, ist eine andere Frage. Die Studien maßen Mittelwerte von Gruppen, nicht garantierte Einzelverläufe.

Hinter einem Mittelwert stehen immer Menschen, bei denen sich viel verändert hat, und andere, bei denen sich nichts bewegte. Welche Gruppe du triffst, sagt dir erst der nächste Laborzettel.

Woran die Aussagekraft hängt

Tee lässt sich in Studien kaum verblinden. Teilnehmer wissen, was sie trinken, und ändern oft mehr als nur das Getränk.

Der zweite Punkt ist der Stoff selbst. Catechingehalte schwanken je nach Sorte, Anbau und Zubereitung erheblich. Die EFSA konnte aus genau diesem Grund keine Empfehlung für eine Aufnahmemenge ableiten.

Der dritte Punkt ist der Endpunkt. Ein gesenkter Laborwert ist noch kein verhinderter Herzinfarkt. Studien, die das für Tee zeigen, gibt es nicht.

Deshalb bleibt grüner Tee ein Baustein mit plausibler Richtung, nicht mehr.

Wie die Catechine überhaupt wirken sollen, ist ebenfalls nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird unter anderem, dass sie die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm verringern. Das ist eine Erklärung, kein Nachweis.

Grüntee-Extrakt statt Tee?

Kapseln mit Grüntee-Extrakt liefern die Catechine in konzentrierter Form. Das ist der Punkt, an dem es kippt.

Die EFSA hat 2018 festgestellt, dass EGCG-Dosen von 800 Milligramm am Tag mit ersten Anzeichen von Leberschäden zusammenhängen können. Eine unbedenkliche Dosis ließ sich nicht bestimmen.

Die EU hat den EGCG-Gehalt aus Grüntee-Extrakten in Nahrungsergänzungsmitteln daraufhin auf höchstens 800 Milligramm pro Tag begrenzt, verbunden mit einem Warnhinweis.

Für den Aufguss selbst sieht die Behörde keine solchen Hinweise — selbst bei hohem Konsum. Wer Catechine will, trinkt sie besser, statt sie zu schlucken.

Was den LDL-Wert stärker bewegt

Gesättigte Fettsäuren und Transfettsäuren erhöhen das LDL-Cholesterin. An dieser Stellschraube lässt sich mehr drehen als an der Teekanne.

Für Menschen mit hohem Risiko — nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderer Herz-Kreislauf-Erkrankung — wird eine Behandlung mit Statinen empfohlen.

Nahrungsergänzungsmittel schützen nach dieser Einordnung nicht nachweislich vor Herzerkrankungen. Das gilt auch für Grüntee-Kapseln.

Grüner Tee passt als Getränk daneben. Als Ersatz für eine Behandlung taugt er nicht.

Wie du den Effekt bei dir prüfst

Cholesterinwerte schwanken weniger stark als der Blutdruck, aber sie schwanken. Ein einzelner Laborwert taugt nicht als Vorher-Nachher-Vergleich.

Sinnvoll ist ein Abstand von mindestens drei Monaten zwischen zwei Messungen, im selben Labor und unter denselben Bedingungen. Die Studien im Review liefen ebenfalls über Monate.

Halt in dieser Zeit alles andere möglichst konstant. Wer gleichzeitig Tee trinkt, Butter reduziert und mehr läuft, weiß am Ende nicht, was gewirkt hat.

Und sag der Praxis, was du testest. Wer nebenbei Grüntee-Extrakt nimmt, sollte das im Gespräch erwähnen — auch wegen der Leberwerte.

Für die Blutabnahme gelten die üblichen Vorgaben deiner Praxis. Wird nüchtern gemessen, gehört auch der gesüßte Tee dazu; ungesüßter Aufguss und Wasser sind in der Regel unproblematisch. Frag im Zweifel vorher nach, statt den Termin zu wiederholen.

Häufige Fragen

Senkt grüner Tee das Cholesterin?

Im Cochrane-Review um 0,62 mmol/l Gesamtcholesterin und 0,64 mmol/l LDL. Die Datenbasis ist schmal.

Wie lange dauert es, bis sich etwas zeigt?

Die ausgewerteten Studien liefen über Wochen bis Monate. Eine Woche Tee ändert am Laborwert nichts.

Wie viele Tassen am Tag?

Eine belegte Menge gibt es nicht. Für gesunde Erwachsene liegt die Koffeingrenze bei 400 Milligramm am Tag, das sind viele Tassen Grüntee.

Wirkt grüner Tee auf HDL?

Der Review berichtet die deutlichen Effekte für Gesamt- und LDL-Cholesterin. Für HDL sind keine vergleichbaren Senkungen ausgewiesen.

Sind Grüntee-Kapseln wirksamer?

Sie enthalten mehr EGCG, bringen aber ein Leberrisiko mit, das der Aufguss nicht hat. Die EU hat sie deshalb gesetzlich begrenzt.

Kann ich Statine durch Tee ersetzen?

Nein. Für Statine gibt es Belege bis zum Herzinfarkt, für Tee nur bis zum Laborwert.

Quellen

Cochrane: Grüner und schwarzer Tee zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
IQWiG / gesundheitsinformation.de: Erhöhte Cholesterinwerte
Hartley u. a.: Green and black tea for the primary prevention of cardiovascular disease (Volltext)
EFSA: Bewertung der Grüntee-Catechine

Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.

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