Grüner Tee bei Sodbrennen: Was die Leitlinie dazu sagt

Kurzantwort: Grüner Tee gehört für manche Menschen zu den Auslösern von Sodbrennen, für andere nicht. Die deutsche Leitlinie zur Refluxkrankheit hält fest, dass ein Nutzen des Verzichts auf Kaffee, Schokolade, scharfe Speisen oder kohlensäurehaltige Getränke nicht schlüssig und allgemeingültig belegt ist. Sinnvoll bleibt, individuell unverträgliche Speisen und Getränke zu meiden — also deinen eigenen Auslöser zu finden.

Bei Sodbrennen kursieren lange Verbotslisten. Kaffee, Zitrusfrüchte, Schokolade, Tomaten, Tee.

Die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten geht damit vorsichtiger um als die meisten Ratgeber.

Hier steht, was grüner Tee im Magen tut, wie die Leitlinie das einordnet und welche Maßnahmen tatsächlich Belege haben.

Was grüner Tee im Magen anstellt

Grüner Tee enthält Koffein. Koffein regt die Produktion von Magensäure an und kann den Druck des unteren Speiseröhrenschließmuskels senken.

Ist dieser Schließmuskel schwächer, gelangt Mageninhalt leichter nach oben. Genau das ist der Mechanismus hinter Sodbrennen.

Dazu kommen Gerbstoffe. Sie erzeugen das zusammenziehende Gefühl im Mund und werden von empfindlichen Mägen schlechter vertragen, vor allem nüchtern.

Mit etwa 20 bis 45 Milligramm Koffein pro Tasse liegt grüner Tee deutlich unter Kaffee, der 80 bis 120 Milligramm erreicht. Die Ausgangslage ist also günstiger.

Was die Leitlinie sagt

Die Leitlinie formuliert eine starke Empfehlung: Patienten mit Refluxbeschwerden und solche mit gesicherter Refluxkrankheit sollen über den Stellenwert von Allgemeinmaßnahmen im Therapiekonzept beraten werden.

Zur Ernährung heißt es dort: Ein Effekt selektiver Eingriffe wie Reduktion des Alkoholkonsums oder Verzicht auf Schokolade, Kaffee, scharfe Speisen, Zitrusfrüchte, fette Speisen und kohlensäurehaltige Getränke ist nicht schlüssig und allgemeingültig belegt.

Im selben Absatz steht der Zusatz, der zählt: Die Empfehlung, individuell unverträgliche oder ungesunde Speisen und Getränke zu meiden, ist dennoch sinnvoll.

Eine spezifische Antireflux-Diät gibt es nach dieser Einordnung nicht. Dass Ernährung überhaupt einen Effekt hat, wird ausdrücklich nicht bestritten.

Der Widerspruch in den Daten

Die Leitlinie zitiert Daten aus der Nurses Health Study, nach denen der Konsum von Kaffee, Tee und Mineralwasser mit Kohlensäure mit einem erhöhten Risiko für Refluxsymptome verbunden war.

Das ist eine Beobachtung an großen Gruppen. Sie zeigt einen Zusammenhang, aber nicht, dass der Tee die Ursache war.

Studien, in denen gezielt auf diese Getränke verzichtet wurde, liefern kein einheitliches Bild. Genau deshalb steht in der Leitlinie „nicht schlüssig belegt“.

Für dich heißt das: Beide Sätze können gleichzeitig stimmen. In der Gruppe zeigt sich ein Zusammenhang, bei dir persönlich muss er nicht auftreten.

Was besser belegt ist als Verzicht

Gewichtsabnahme. Die skandinavische HUNT-Studie zeigte eine Besserung der Refluxsymptome, die mit dem Ausmaß der BMI-Reduktion zusammenhing. Auch die Wirksamkeit der Medikation verbesserte sich.

Kopfende des Bettes erhöhen. Für Menschen mit nächtlichen Refluxbeschwerden auf Basis von drei randomisierten kontrollierten Studien empfohlen.

Keine Spätmahlzeiten. Dafür gibt es unterstützende Evidenz aus zwei Fall-Kontroll-Studien und einer randomisierten kontrollierten Studie.

Keine engen Gürtel. Enge Kleidung erhöht den Reflux, vor allem weil sie die Reinigung der Speiseröhre behindert.

Auffällig an dieser Liste: Sie enthält kein einziges verbotenes Lebensmittel. Die Maßnahmen mit der besten Datenlage betreffen Gewicht, Schlafposition und Zeitpunkt des Essens — nicht dessen Inhalt.

So findest du deinen eigenen Auslöser

Führ zwei Wochen ein einfaches Protokoll: was du wann gegessen und getrunken hast, und wann die Beschwerden kamen.

Danach nimmst du den verdächtigsten Punkt für zwei Wochen heraus und lässt alles andere gleich. Kommen die Beschwerden zurück, sobald du ihn wieder aufnimmst, hast du deinen Auslöser.

Streich nicht alles auf einmal. Wer zehn Dinge gleichzeitig weglässt, weiß am Ende nichts — außer dass wenig Freude übrig bleibt.

Wenn grüner Tee dein Auslöser ist, hilft oft schon eine mildere Zubereitung: kühler aufgießen bei 60 bis 70 Grad, kürzer ziehen lassen, weniger Blatt, nicht nüchtern trinken.

Alternativen ohne Koffein sind Kamille, Fenchel, Melisse und Rooibos. Pfefferminze ist bei Reflux umstritten, weil ihr ätherisches Öl den Schließmuskel entspannen kann.

Wann du ärztlich abklären lässt

Sodbrennen mehrmals pro Woche über längere Zeit gehört in eine Praxis, nicht in eine Selbstbehandlung mit Hausmitteln.

Dasselbe gilt bei Schluckbeschwerden, ungewolltem Gewichtsverlust, wiederholtem Erbrechen oder schwarzem Stuhl. Das sind Warnzeichen, die untersucht gehören.

Auch dauerhafte Selbstmedikation mit Säureblockern ohne ärztliche Begleitung ist keine gute Idee. Die Leitlinie sieht dafür ein eigenes Therapiekonzept vor.

Ein weiterer Punkt aus der Leitlinie: Nicht jede Beschwerde, die wie Reflux aussieht, ist auch Reflux. In einer großen US-Studie mit 366 Patienten, deren Symptome auf Säureblocker nicht ansprachen, hatten 6 Prozent eine organische Erkrankung der Speiseröhre und 27 Prozent funktionelles Sodbrennen.

Deshalb lohnt sich die Abklärung besonders dann, wenn die üblichen Mittel nicht helfen. Weiter Lebensmittel zu streichen bringt in diesen Fällen nichts.

Häufige Fragen

Ist grüner Tee bei Sodbrennen verboten?

Nein. Ein allgemeiner Verzicht ist nach der Leitlinie nicht belegt. Wenn er bei dir Beschwerden auslöst, lass ihn weg.

Ist grüner Tee besser als Kaffee bei Reflux?

Er enthält je Tasse deutlich weniger Koffein. Ein Beleg, dass er dadurch besser verträglich ist, fehlt.

Hilft entkoffeinierter grüner Tee?

Wenn das Koffein dein Auslöser ist, kann er helfen. Die Gerbstoffe bleiben allerdings erhalten.

Welcher Tee ist bei Sodbrennen am verträglichsten?

Kamille und Fenchel gelten als mild. Pfefferminze ist umstritten, weil ihr ätherisches Öl den Speiseröhrenschließmuskel entspannen kann.

Soll ich grünen Tee lieber warm oder kalt trinken?

Dazu gibt es keine belastbaren Daten. Sehr heiße Getränke reizen die Schleimhaut zusätzlich, deshalb lohnt sich abkühlen lassen.

Was hilft am schnellsten gegen akutes Sodbrennen?

Das ist eine Frage für die ärztliche Praxis oder die Apotheke. Wiederkehrende Beschwerden gehören abgeklärt.

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Quellen

AWMF: S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis (DGVS)
IQWiG / gesundheitsinformation.de: Sodbrennen und Refluxkrankheit
Verbraucherzentrale: Koffeingehalt von grünem Tee
EFSA: Koffein — unbedenkliche Mengen

Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.

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