Stand: September 2026 · Lesezeit: 5 Minuten
Ist Hibiskustee gefährlich? Für gesunde Erwachsene in üblichen Mengen nicht. Vorsicht ist aber in drei Fällen angebracht: bei niedrigem Blutdruck oder Blutdruckmedikamenten, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei empfindlichen Zähnen. Der rote Tee aus den Kelchen der Roselle kann den Blutdruck messbar senken. Das ist für viele erwünscht, kann sich aber mit Tabletten addieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Hibiskustee stammt aus den Kelchen der Roselle, Hibiscus sabdariffa, auch Karkade genannt.
- Eine Metaanalyse mit 17 Studien fand eine Senkung des oberen Blutdruckwerts um rund 7 mmHg.
- Wer Blutdrucksenker oder Entwässerungstabletten nimmt, spricht vorher mit der Arztpraxis.
- Die Fruchtsäuren können den Zahnschmelz angreifen.
Was Hibiskustee eigentlich ist
Hibiskustee entsteht aus den fleischigen, roten Kelchen der Roselle. Die Pflanze stammt aus dem tropischen Afrika. Im Sudan und in Ägypten heißt das Getränk Karkade, im Senegal Bissap. Die kräftige rote Farbe kommt von Anthocyanen. Den sauren Geschmack liefern Fruchtsäuren wie Äpfel-, Zitronen- und Weinsäure sowie die Hibiskussäure. Mit dem Gartenhibiskus aus dem Beet hat der Tee nichts zu tun. Wie der Tee gelingt, steht im Beitrag zur Hibiskustee-Zubereitung.
Hibiskustee und Blutdruck
Die Wirkung auf den Blutdruck ist gut untersucht. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Nutrition Reviews wertete 17 randomisierte Studien aus. Im Vergleich zu Placebo sank der obere Blutdruckwert um durchschnittlich 7,10 mmHg. Am stärksten war der Effekt bei Menschen mit erhöhten Ausgangswerten. In einigen Studien fiel der Unterschied zu gängigen Blutdrucksenkern wie Captopril oder Lisinopril nicht signifikant aus. Das LDL-Cholesterin sank um 6,76 mg/dl.
Für Menschen mit normalem Blutdruck ist das meist unproblematisch. Anders sieht es aus, wenn der Blutdruck ohnehin niedrig ist oder schon Medikamente ihn senken. Dann kann sich die Wirkung addieren. Schwindel beim Aufstehen ist ein typisches Warnzeichen. Mehr zum Thema Tee und Blutdruck zeigt der Vergleich mit Rooibostee.
Kurzantwort: Hibiskustee senkt den Blutdruck leicht. Wer Blutdrucksenker nimmt oder zu niedrigem Blutdruck neigt, klärt den regelmäßigen Konsum mit der Arztpraxis ab.
Wer bei Hibiskustee vorsichtig sein sollte
| Gruppe | Grund | Empfehlung |
|---|---|---|
| Menschen mit niedrigem Blutdruck | zusätzliche Senkung möglich | nur gelegentlich trinken, auf Schwindel achten |
| Einnahme von Blutdrucksenkern oder Entwässerungstabletten | Wirkung kann sich verstärken | vorher ärztlich abklären |
| Einnahme von Medikamenten gegen Diabetes | Wechselwirkungen werden diskutiert | ärztlich abklären |
| Schwangere und Stillende | zu wenig verlässliche Studien | vorsorglich meiden oder Rücksprache halten |
| Menschen mit empfindlichen Zähnen | Fruchtsäuren greifen den Zahnschmelz an | nicht über Stunden nippen, Wasser nachtrinken |
Hibiskustee in Schwangerschaft und Stillzeit
Für Schwangere fehlen belastbare Studien am Menschen. Viele Ratgeber raten deshalb vorsorglich von Hibiskustee ab. Das gilt besonders für große Mengen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Schwangeren und Stillenden zudem allgemein, Kräutertees abwechselnd mit anderen Getränken zu trinken. Eine Übersicht über geeignete Sorten gibt der Beitrag zu Tee gegen Übelkeit in der Schwangerschaft.
Pyrrolizidinalkaloide: Ein Risiko für alle Kräutertees
Kräuter- und Früchtetees können Pyrrolizidinalkaloide enthalten, kurz PA. Diese Stoffe stammen meist von Wildkräutern, die bei der Ernte mit in den Tee geraten. PA können in hohen Mengen die Leber schädigen und gelten als möglicherweise krebserregend. Seit dem 1. Juli 2022 gelten in der EU Höchstgehalte nach der Verordnung (EU) 2020/2040. Laut BfR sind die Gehalte in Tees seitdem gesunken. Das BfR rät dennoch zu Abwechslung. Wer täglich viel Tee trinkt, wechselt am besten zwischen verschiedenen Sorten und Wasser.
Wie viel Hibiskustee ist in Ordnung?
Eine offizielle Höchstmenge für Hibiskustee gibt es in Deutschland nicht. Die Studien der Metaanalyse liefen meist über mehrere Wochen mit täglichem Konsum. Nebenwirkungen waren dabei selten. Nur ein Teilnehmer berichtete über vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden. Wer den Tee gezielt wegen des Blutdrucks trinkt, misst am besten regelmäßig selbst nach. Die Werte gehören in die Sprechstunde. Tee kann eine verordnete Therapie nicht ersetzen. Setzen Betroffene Tabletten eigenmächtig ab, kann der Blutdruck gefährlich steigen.
So lässt sich Hibiskustee sicher genießen
- Abwechseln: Hibiskustee ist kein Ersatz für Wasser. Mehrere Sorten im Wechsel senken einseitige Belastungen.
- Zähne schonen: Den Tee nicht stundenlang schluckweise trinken. Danach Wasser trinken und mit dem Zähneputzen etwas warten.
- Auf den Körper hören: Treten Schwindel, Magendrücken oder Kopfschmerzen auf, die Menge reduzieren.
- Medikamente bedenken: Bei regelmäßiger Einnahme von Tabletten die Arztpraxis oder Apotheke fragen.
Kurzantwort: Gesunde Erwachsene können Hibiskustee bedenkenlos trinken. Abwechslung mit anderen Getränken und etwas Rücksicht auf die Zähne reichen als Vorsicht.
Fazit
Hibiskustee ist für die meisten Menschen ein unbedenkliches, erfrischendes Getränk. Seine blutdrucksenkende Wirkung macht ihn interessant, verlangt aber Aufmerksamkeit bei niedrigem Blutdruck und Medikamenten. Schwangere verzichten vorsorglich oder fragen nach. Wer abwechselnd trinkt und die Zähne schont, geht kein nennenswertes Risiko ein.
FAQ – Häufige Fragen
Ist Hibiskustee gefährlich?
Für gesunde Erwachsene in üblichen Mengen nicht. Vorsicht gilt bei niedrigem Blutdruck, Medikamenten und in der Schwangerschaft.
Senkt Hibiskustee den Blutdruck?
Ja. Eine Metaanalyse fand eine Senkung des oberen Werts um rund 7 mmHg im Vergleich zu Placebo.
Darf man Hibiskustee mit Blutdrucktabletten trinken?
Nur nach Rücksprache mit der Arztpraxis. Die Wirkungen können sich addieren.
Ist Hibiskustee in der Schwangerschaft erlaubt?
Es fehlen verlässliche Studien. Viele Fachleute raten vorsorglich ab.
Greift Hibiskustee die Zähne an?
Die enthaltenen Fruchtsäuren können den Zahnschmelz angreifen, besonders beim ständigen Nippen.
Ist Hibiskus im Früchtetee auch betroffen?
Ja, viele Früchtetees enthalten Hibiskus. Die Menge ist aber oft kleiner als im reinen Hibiskustee.
Enthält Hibiskustee Koffein?
Nein. Hibiskustee ist ein koffeinfreier Kräutertee.
Kann Hibiskustee Nebenwirkungen haben?
In Studien war er gut verträglich. Vereinzelt traten vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden auf.
Was ist Karkade?
So heißt Hibiskustee im Sudan und in Ägypten. Gemeint ist der Tee aus den Kelchen der Roselle.
Warum sollte man zwischen Teesorten wechseln?
Das BfR empfiehlt Abwechslung, um einseitige Belastungen mit Stoffen wie Pyrrolizidinalkaloiden zu vermeiden.
Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Quellen
- Nutrition Reviews: Metaanalyse zu Hibiscus sabdariffa und Blutdruck
- BfR: Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln
- Wikipedia: Roselle
Tobias grillt, brät und probiert aus. Er schreibt über Fleisch, Aufläufe und die Frage, wie viel Fett eine Pfanne wirklich braucht.





