Entkoffeinierter grüner Tee: Verfahren und Restgehalt

Kurzantwort: Entkoffeinierter grüner Tee wird industriell mit Kohlendioxid oder mit Ethylacetat behandelt. Übrig bleibt Restkoffein. In Deutschland darf auf eine Entkoffeinierung nur hingewiesen werden, wenn die Trockenmasse höchstens 0,4 Prozent Koffein enthält. Koffeinfrei ist der Tee damit nicht.

Wer abends Grüntee mag und trotzdem schlafen will, landet früher oder später bei entkoffeinierter Ware.

Im Regal steht sie selten. Und wenn, dann ohne Erklärung, wie viel Koffein tatsächlich noch drin ist.

Hier stehen die Verfahren, der gesetzlich zulässige Restgehalt, der Unterschied zwischen entkoffeiniert und koffeinfrei und warum das bekannte Hausrezept nicht funktioniert.

Wie viel Koffein übrig bleiben darf

Die deutschen Leitsätze für Tee legen die Grenze fest. Auf eine Entkoffeinierung wird nur hingewiesen, wenn die Trockenmasse des Tees nicht mehr als 0,4 Prozent Koffein enthält.

Für aromatisierten Tee gilt derselbe Wert. Bei Tee-Extrakt liegt die Grenze höher, bei 1,2 Prozent.

Unbehandelter Tee liegt je nach Sorte deutlich darüber. Entkoffeinierung entfernt also den größten Teil, nicht alles.

Auf die Tasse gerechnet bleiben wenige Milligramm. Eine Tasse gewöhnlicher Grüntee liegt zum Vergleich grob bei einem Viertel bis einem Drittel einer Tasse Filterkaffee.

Eine Milligrammangabe auf der Packung ist für Tee nicht vorgeschrieben. Du findest sie deshalb fast nie.

Die Kennzeichnungspflicht für koffeinhaltige Getränke zielt auf Limonaden und Energydrinks. Aufgussgetränke aus Teeblättern fallen nicht darunter.

Entkoffeiniert oder koffeinfrei

Die beiden Wörter meinen nicht dasselbe. „Entkoffeiniert“ beschreibt einen Behandlungsschritt und lässt einen Restgehalt zu.

„Koffeinfrei“ ist die strengere Aussage. Sie passt zu Aufgüssen, die von Natur aus kein Koffein enthalten.

Kräuter- und Früchtetees sind koffeinfrei, weil sie nicht aus dem Teestrauch stammen. Rooibos gehört ebenfalls dazu.

Wer Koffein vollständig meiden muss, greift zu diesen Aufgüssen. Entkoffeinierter Grüntee ist dafür die falsche Wahl.

Achte auch auf die Formulierung „von Natur aus koffeinfrei“. Sie beschreibt den Rohstoff und keinen Verarbeitungsschritt.

Bei Mischungen aus Kräutern und Tee zählt der Teeanteil. Steht er in Prozent auf der Packung, kannst du die Koffeinmenge grob abschätzen.

Wie entkoffeiniert wird

Zwei Verfahren dominieren. Beim ersten wird überkritisches Kohlendioxid unter Druck durch das angefeuchtete Blatt geleitet.

Kohlendioxid löst Koffein selektiv und lässt Aroma- und Gerbstoffe weitgehend im Blatt. Das Verfahren gilt als schonend und ist entsprechend teuer.

Beim zweiten Verfahren übernimmt Ethylacetat die Aufgabe. Es ist günstiger, greift aber stärker in Aroma und Farbe ein.

Welches Verfahren verwendet wurde, steht selten auf der Packung. Ein Hinweis auf Kohlendioxid ist ein Qualitätssignal, weil Hersteller damit werben, wenn sie es einsetzen.

Extraktionslösungsmittel in Lebensmitteln sind in der EU geregelt. Zugelassen sind nur bestimmte Stoffe mit festgelegten Höchstmengen an Rückständen.

Daneben gibt es Wasserverfahren, bei denen das Koffein über einen Aktivkohlefilter aus dem Auszug geholt wird. Sie sind bei Kaffee verbreiteter als bei Tee.

Alle Verfahren laufen vor dem Verpacken ab. Im Haushalt lässt sich keines davon nachbauen.

Was mit dem Geschmack passiert

Entkoffeinierter Grüntee schmeckt milder und flacher als das Ausgangsprodukt.

Beim Herauslösen des Koffeins gehen Aromastoffe teilweise mit. Auch ein Teil der Catechine verlässt das Blatt.

Die typische Frische und die feinen Blütennoten leiden am stärksten. Übrig bleibt oft ein weicher, leicht heuartiger Aufguss.

Wer den Geschmack behalten will, wechselt besser die Sorte statt zur entkoffeinierten Ware zu greifen.

Bei der Zubereitung hilft eine kürzere Ziehzeit von rund zwei Minuten. Länger bringt hier kaum Aroma und schnell Herbheit.

Ein zweiter Aufguss lohnt sich bei entkoffeinierter Ware selten, weil das Blatt schon zweimal durch Wasser gegangen ist.

Der kurze Erstaufguss ist kein Ersatz

Ein weit verbreiteter Rat lautet, den ersten Aufguss nach 30 Sekunden wegzuschütten. Damit sollen 80 bis 90 Prozent des Koffeins verschwinden.

Belegt ist das nicht. Eine Untersuchung von 1996 maß den Koffeingehalt nach fünf, zehn und fünfzehn Minuten Ziehzeit.

Nach fünf Minuten waren rund 70 Prozent des im Blatt enthaltenen Koffeins im Aufguss, der zweite Aufguss enthielt etwa ein Drittel des ersten.

Für sehr kurze Zeiten liefert die Arbeit keine Werte. Die Annahme, das Koffein löse sich in den ersten Sekunden nahezu vollständig, stützt sie jedenfalls nicht.

Wirksamer ist der Wechsel auf koffeinarme Sorten: Bancha, Kukicha und geröstetes Hojicha stammen aus älteren Blättern und Stielen.

Wann sich entkoffeinierter Tee lohnt

Für Menschen, die den Geschmack von Grüntee mögen und auf Koffein empfindlich reagieren.

In der Schwangerschaft kann er helfen, unter der Empfehlung von 200 Milligramm Koffein am Tag zu bleiben. Gesunden Erwachsenen empfiehlt die EFSA höchstens 400 Milligramm täglich.

Bei bestimmten Medikamenten ist ein Abstand zu koffeinhaltigen Getränken angeraten. Der Beipackzettel gibt darüber Auskunft.

Wer schlicht abends noch eine Tasse möchte, kommt mit einer kleinen Menge Hojicha meist genauso weit.

Auch der Abstand hilft. Koffein hat eine Halbwertszeit von mehreren Stunden, deshalb wirkt eine Tasse um 17 Uhr bei manchen noch spät am Abend.

In der Schwangerschaft verlängert sich der Abbau zusätzlich. Dieselbe Tasse wirkt dann deutlich länger als sonst.

Häufige Fragen

Wie viel Koffein hat entkoffeinierter grüner Tee?

Erlaubt sind bis zu 0,4 Prozent in der Trockenmasse. Auf die Tasse gerechnet sind das wenige Milligramm.

Ist entkoffeinierter Tee ungesund?

Dafür gibt es keinen Hinweis. Die zulässigen Extraktionslösungsmittel und ihre Rückstandsmengen sind in der EU geregelt.

Kann ich Grüntee zu Hause entkoffeinieren?

Nein. Kurzes Vorbrühen entfernt nur einen Teil des Koffeins und kostet zugleich Aroma.

Welcher Grüntee hat von Natur aus wenig Koffein?

Bancha, Kukicha und Hojicha. Sie bestehen aus älteren Blättern und Stielen.

Ist entkoffeinierter Tee in der Schwangerschaft erlaubt?

Er hilft, unter der empfohlenen Grenze von 200 Milligramm Koffein am Tag zu bleiben. Koffeinfrei ist er nicht.

Warum ist entkoffeinierter Grüntee so selten?

Die Nachfrage ist klein, das Verfahren aufwendig und der Geschmacksverlust spürbar. Deshalb lohnt es sich für wenige Hersteller.

Quellen

BMLEH: Leitsätze für Tee, Kräuter- und Früchtetee
EFSA: Koffein — Bewertung unbedenklicher Mengen
Hicks, Hsieh & Bell, Food Research International 1996: Teezubereitung und Methylxanthingehalt

Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.

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