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Kurzantwort: Grüntee-Extrakt in Cremes heißt auf der Packung Camellia Sinensis Leaf Extract. Er liefert Catechine, die im Labor als Antioxidantien wirken. Kleine Studien fanden nach zwei bis vier Wochen glattere und feuchtere Haut. Einen Sonnenschutz ersetzt er nicht, und Aussagen über Hautkrankheiten sind auf Kosmetik verboten.
„Mit grünem Tee“ steht auf Tagescremes, Augenpflege und Reinigungsschaum. Der Zusatz verkauft sich gut, weil er nach Natur klingt.
Auf der Rückseite wird es sachlicher. Dort steht ein INCI-Name, und der verrät, welcher Teil der Pflanze überhaupt verarbeitet wurde.
Hier steht, was der Extrakt enthält, was an Wirkung belegt ist, wo die Belege aufhören und woran du eine ernst gemeinte Formulierung erkennst.
Was im Extrakt steckt
Grüner Tee besteht zu einem großen Teil aus Polyphenolen. Die wichtigste Gruppe sind die Catechine.
Vier davon tauchen in fast jeder Untersuchung auf: EGCG, EGC, ECG und EC. EGCG ist das mengenmäßig stärkste.
Catechine fangen im Reagenzglas freie Radikale ab. Deshalb landet der Extrakt in Formulierungen, die mit Schutz vor Umwelteinflüssen werben.
Daneben enthält das Blatt Koffein. In Augencremes ist es der eigentliche Grund für den Zusatz, weil Koffein kurzfristig die Durchblutung beeinflusst.
Wie viel davon im fertigen Produkt ankommt, hängt am Herstellungsweg. Ein wässriger Auszug bringt andere Anteile mit als ein alkoholischer, und beide heißen auf der Packung gleich.
Catechine sind empfindlich. Sie zerfallen bei Licht, Wärme und hohem pH-Wert, deshalb arbeiten Hersteller mit sauren Formulierungen und dichten Behältern.
Wie du ihn auf der Packung erkennst
Auf jeder Kosmetik in der EU steht eine Zutatenliste nach INCI. Grüntee-Blattextrakt heißt dort Camellia Sinensis Leaf Extract.
Verwandte Einträge meinen etwas anderes. Camellia Sinensis Leaf Water ist ein Destillat, Camellia Sinensis Seed Oil wird aus den Samen gepresst und enthält kaum Catechine.
Die Reihenfolge sagt etwas über die Menge. Bestandteile über einem Prozent stehen absteigend nach Gewicht, darunter in beliebiger Folge.
Steht der Extrakt hinter den Konservierungsstoffen am Ende der Liste, ist wenig davon drin. Der genaue Anteil wird nirgends deklariert.
Ein häufiger Trick ist der Extrakt im Namen des Produkts bei minimaler Menge im Tiegel. Erlaubt ist das, solange die Aussage nicht irreführt.
Hilfreich ist der Vergleich mit dem Wasser. Alles, was hinter Aqua und den ersten drei bis vier Einträgen kommt, liegt meist im einstelligen Prozentbereich oder darunter.
Was Studien zeigen — und was nicht
Eine Übersichtsarbeit von 2019 hat die Anwendungen von Tee in der Kosmetik zusammengetragen. Sie referiert mehrere kleine Studien am Menschen.
In einer davon verbesserte sich nach vier Wochen mit einem EGCG-haltigen Gel bei knapp der Hälfte der Teilnehmenden das Hautbild. Eine andere fand nach 15 bis 30 Tagen mehr Hautfeuchte und eine glattere Oberflächenstruktur.
Das sind Studien mit wenigen Teilnehmenden, kurzen Laufzeiten und unterschiedlichen Zubereitungen. Vergleichbar sind sie kaum.
Für die Sicherheit sieht es klarer aus. Das amerikanische Cosmetic Ingredient Review Panel bewertete 2019 Inhaltsstoffe aus Camellia sinensis und hielt sie in den üblichen Konzentrationen für unbedenklich.
Was der Extrakt nicht kann
Er ist kein Lichtschutz. Antioxidantien können oxidativen Stress nach UV-Belastung mindern, sie halten keine Strahlung ab.
Er heilt keine Hauterkrankung. Kosmetik darf in der EU keine Wirkung gegen Krankheiten wie Akne, Rosazea oder Neurodermitis auszeichnen, das ist Arzneimitteln vorbehalten.
Er wirkt nicht messbar auf die Faltentiefe innerhalb weniger Tage. Werbebilder mit Vorher-Nachher-Vergleich nach einer Woche sagen nichts über die Formulierung.
Auch die Menge im Tiegel bleibt offen. Ein Prozent Extrakt und 0,001 Prozent Extrakt sehen auf der Packung identisch aus.
Worauf du beim Kauf achtest
Schau, wo der Extrakt in der Liste steht. Weit vorn spricht für eine spürbare Menge, ganz hinten für eine Werbezutat.
Bevorzuge lichtdichte Verpackungen mit Pumpe oder Tube. Catechine oxidieren an Luft und Licht, ein offener Tiegel arbeitet gegen sie.
Achte auf das Symbol mit dem geöffneten Dose-Deckel. Die Zahl darin sagt, wie viele Monate das Produkt nach dem Öffnen verwendbar ist.
Bei empfindlicher Haut lohnt ein Test in der Armbeuge über zwei bis drei Tage, bevor die Creme ins Gesicht kommt.
Lies auch, was sonst noch drinsteht. Duftstoffe, ätherische Öle und hohe Alkoholanteile sind häufiger die Ursache von Reizungen als der Pflanzenextrakt selbst.
Werbeaussagen sind in der EU an gemeinsame Kriterien gebunden. Ein Hersteller muss belegen können, was er auszeichnet, und Aussagen dürfen nicht in die Irre führen.
Grüntee-Maske selbst gemacht
Abgekühlte Teeblätter als Maske sind unbedenklich, solange die Haut intakt ist. Eine Wirkung darüber hinaus ist nicht belegt.
Verwende frisch aufgegossene, abgekühlte Blätter und keine Reste vom Vortag. Feuchte Blätter bei Zimmertemperatur sind ein guter Nährboden für Keime.
Auf die Augenpartie gehört nichts Selbstgemachtes. Die Haut dort ist dünn, und Teereste reizen mechanisch.
Selbst gerührte Cremes mit Teeaufguss verderben schnell, weil ihnen die Konservierung fehlt. Im Kühlschrank halten sie wenige Tage.
Gekühlte Teebeutel auf geschwollenen Lidern sind ein alter Hausrat. Der Effekt kommt von der Kälte, ein gekühlter Löffel leistet dasselbe.
Häufige Fragen
Wie heißt grüner Tee auf der Kosmetikpackung?
Camellia Sinensis Leaf Extract. Das ist der INCI-Name für den Blattextrakt.
Hilft grüner Tee gegen Augenringe?
Der Effekt in Augencremes geht meist auf Koffein zurück, das kurzfristig abschwellend wirken kann. Dunkle Schatten durch Anatomie oder Pigment verschwinden dadurch nicht.
Kann ich Grüntee-Creme mit Retinol kombinieren?
In der Regel ja. Bei Reizungen reduzierst du die Anwendungshäufigkeit, statt beides gleichzeitig neu einzuführen.
Ist Grüntee-Extrakt für empfindliche Haut geeignet?
Meist ja, allergische Reaktionen sind selten. Reizungen kommen häufiger vom Duft oder Alkohol im selben Produkt.
Ersetzt Grüntee-Extrakt Vitamin C?
Nein. Beides sind Antioxidantien mit unterschiedlichem Verhalten in der Formulierung, sie sind keine Alternativen füreinander.
Bringt teure Grüntee-Kosmetik mehr?
Der Preis sagt nichts über den Gehalt. Die Position in der INCI-Liste und die Verpackung geben mehr Auskunft.
Quellen
Koch et al., Molecules 2019: Tee und seine Inhaltsstoffe in der Kosmetik
Cosmetic Ingredient Review 2019: Sicherheitsbewertung von Camellia-sinensis-Inhaltsstoffen
BVL: Kennzeichnung von Kosmetik
Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.






