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Kurzantwort: Der Cochrane-Review von 2013 fand für grünen Tee eine Senkung des oberen Blutdruckwerts um 3,18 mmHg und des unteren um 3,42 mmHg. Die Autoren betonen, dass nur wenige Studien zu jeder Auswertung beitrugen. Grüner Tee ist damit kein Ersatz für Behandlung. Wer den Betablocker Nadolol nimmt, sollte den Abstand zum Tee mit der behandelnden Praxis besprechen — hier ist eine Wechselwirkung beschrieben.
Bluthochdruck wird in Deutschland bei Millionen Menschen behandelt. Entsprechend groß ist das Interesse an allem, was den Wert ohne Tablette senken könnte.
Für grünen Tee gibt es dazu Zahlen. Sie sind kleiner als die Schlagzeilen und mit Einschränkungen versehen.
Hier stehen die Werte, ihre Größenordnung im Alltag, die Frage nach dem Koffein und der Punkt, an dem grüner Tee mit Medikamenten kollidiert.
Was der Cochrane-Review zeigt
2013 erschien der Cochrane-Review zu grünem und schwarzem Tee in der Primärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Für grünen Tee ergaben sich statistisch signifikante Senkungen: der systolische Wert um 3,18 mmHg (95-Prozent-Konfidenzintervall −5,25 bis −1,11), der diastolische um 3,42 mmHg (−4,54 bis −2,30).
Die Autoren schreiben dazu, dass nur eine kleine Zahl von Studien zu jeder einzelnen Auswertung beitrug. Für belastbare Aussagen fehlen längere Studien mit geringem Verzerrungsrisiko.
Ob sich daraus weniger Herzinfarkte oder Schlaganfälle ergeben, konnte der Review nicht beantworten. Studien mit solchen Endpunkten gibt es nicht.
Wie groß dieser Effekt im Alltag ist
Drei mmHg klingen wenig, sind aber nicht nichts. In der Bevölkerung gerechnet verschieben schon kleine Senkungen das Risiko.
Für den einzelnen Menschen mit einem Wert von 160 zu 100 ändert eine Senkung um drei mmHg wenig. Sie führt nicht aus dem behandlungsbedürftigen Bereich heraus.
Zum Vergleich: Die Deutsche Hochdruckliga nennt für Speisesalz eine Orientierung von bis zu 5 Gramm am Tag — etwa ein Teelöffel. Beim Salz sind deutlich größere Effekte belegt als bei Tee.
Grüner Tee ist damit eine Zugabe. Er ersetzt weder Medikamente noch die Lebensstiländerungen mit besserer Datenlage.
Das Koffein und der kurzfristige Anstieg
Koffein hebt den Blutdruck kurzfristig an. Deshalb wird bei Bluthochdruck oft pauschal von koffeinhaltigen Getränken abgeraten.
Die Deutsche Hochdruckliga sieht das differenzierter: Zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag haben langfristig keine Auswirkungen auf den Blutdruck.
Grüner Tee liefert je Tasse etwa 20 bis 45 Milligramm Koffein und damit rund die Hälfte von Schwarztee. Der Ausgangspunkt ist also niedriger als beim Kaffee.
Wer den eigenen Wert kennen will, misst vor und dreißig Minuten nach der Tasse. Das ist aussagekräftiger als jede allgemeine Regel.
Wechselwirkung mit Betablockern
Für den Betablocker Nadolol ist eine Wechselwirkung mit grünem Tee beschrieben. In Studien mit gesunden Freiwilligen senkte Grüntee-Extrakt die Blutspiegel des Wirkstoffs deutlich.
Als Mechanismus gilt, dass EGCG die Aufnahme des Wirkstoffs im Darm hemmt. Für Lisinopril, einen ACE-Hemmer, wurde ein vergleichbarer Effekt untersucht.
Praktische Folge: Wenn du blutdrucksenkende Medikamente nimmst, schluck sie nicht mit grünem Tee und halte zeitlichen Abstand. Wie viel Abstand sinnvoll ist, klärst du in der behandelnden Praxis oder in der Apotheke.
Das gilt nicht für jedes Blutdruckmittel. Die Studien betreffen bestimmte Wirkstoffe, nicht die ganze Gruppe.
Der Punkt ist trotzdem grundsätzlich wichtig: Ein Getränk, das Wirkstoffspiegel senkt, wirkt in dieselbe Richtung wie eine vergessene Tablette. Die gemessene Blutdrucksenkung des Tees wäre damit schnell aufgezehrt.
Wasser ist für die Tabletteneinnahme immer die sichere Wahl. Tee, Kaffee, Grapefruitsaft und Milch gehören nicht dazu.
Was mehr bringt als Tee
Salz. Bis zu 5 Gramm am Tag als Orientierung — ungefähr ein Teelöffel. Der größte Teil steckt in Brot, Wurst und Fertigprodukten, nicht im Salzstreuer.
Alkohol. Die Hochdruckliga rät, ihn auf ein Minimum zu reduzieren oder ganz wegzulassen.
Ernährungsmuster. Die DASH-Kost setzt auf salzarme, nährstoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn, fettarmen Milchprodukten, magerem Fleisch und Fisch.
Bewegung und Gewicht. Beide haben in Studien größere Effekte als jedes einzelne Getränk.
Wann du ärztlich abklären lässt
Blutdruck ist keine Sache für Selbstversuche mit Lebensmitteln. Wer dauerhaft erhöhte Werte misst, gehört in eine Praxis — auch dann, wenn er sich gut fühlt.
Hohe Werte tun in der Regel nicht weh. Genau deshalb bleiben sie oft jahrelang unbemerkt, während der Schaden an Gefäßen, Nieren und Augen weiterläuft.
Miss zu Hause standardisiert: morgens vor dem ersten Getränk, nach fünf Minuten Sitzen, am selben Arm, zwei Messungen im Abstand von einer Minute. Notier den zweiten Wert.
Ein einzelner Ausreißer sagt wenig. Aussagekraft hat der Mittelwert über eine Woche — und den nimmst du zum Termin mit.
Setz keine Medikamente ab, weil der Wert unter Tee besser aussieht. Der Effekt ist zu klein, um eine Behandlung zu ersetzen.
Häufige Fragen
Darf ich bei Bluthochdruck grünen Tee trinken?
In üblichen Mengen spricht nichts dagegen. Wichtig ist der Abstand zu bestimmten Blutdruckmedikamenten.
Wie viele Tassen sind vertretbar?
Für gesunde Erwachsene gilt die EFSA-Marke von 400 Milligramm Koffein am Tag. Bei Bluthochdruck lohnt sich die individuelle Rücksprache, weil auch Kaffee und Cola mitzählen.
Senkt grüner Tee den Blutdruck messbar?
Im Cochrane-Review um rund 3 mmHg. Ob du das bei dir siehst, hängt vom Ausgangswert und vielen anderen Faktoren ab.
Ist schwarzer Tee besser oder schlechter?
Derselbe Review fand für schwarzen Tee eine Senkung des systolischen Werts um 1,85 mmHg — also weniger als für grünen Tee, ebenfalls auf schmaler Datenbasis.
Muss ich den Tee weglassen, wenn ich Tabletten nehme?
Nein, aber nicht gemeinsam einnehmen. Sprich den zeitlichen Abstand mit deiner Praxis ab.
Hilft entkoffeinierter Grüntee besser?
Er umgeht den kurzfristigen Koffeineffekt. Ob er die im Review gemessene Senkung ebenso bringt, ist nicht untersucht.
Quellen
Cochrane: Grüner und schwarzer Tee zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Hartley u. a.: Green and black tea for the primary prevention of cardiovascular disease (Volltext)
Deutsche Hochdruckliga: Bluthochdruck und Ernährung
Misaka u. a.: Effects of single green tea ingestion on pharmacokinetics of nadolol
Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.






