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Kräutertee selber machen: Mischungen, Mengen und Trocknen

Kurzantwort: Eine eigene Kräutermischung baust du aus drei Teilen: einem milden Grundkraut, einem Kraut mit deutlichem Charakter und einer kleinen aromatischen Spitze. Ein bewährtes Verhältnis ist 5 zu 3 zu 2. Pro Tasse nimmst du einen gehäuften Teelöffel und lässt ihn zugedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen. Sammelst du selbst, gilt § 39 Bundesnaturschutzgesetz: geringe Mengen für den eigenen Bedarf, pfleglich entnommen.

Fertige Kräutertees sind selten schlecht, aber fast immer ein Kompromiss. Sie müssen ein Jahr im Regal überstehen und vielen Leuten gleichzeitig schmecken.

Eine eigene Mischung darf schärfer sein, herber, säuerlicher. Und du weißt, was drin ist — bei manchen Fertigmischungen steht nur „Kräuter“ auf der Vorderseite.

Hier stehen der Aufbau einer Mischung, sechs konkrete Kombinationen mit Mengen, die Regeln fürs Sammeln und der Punkt, an dem Vorsicht angebracht ist.

Der Aufbau: drei Rollen in jeder Mischung

Das Grundkraut macht den größten Anteil aus und trägt den Aufguss. Es schmeckt mild und wird nicht schnell bitter: Melisse, Brombeerblätter, Himbeerblätter, Rooibos, Lindenblüten.

Das Charakterkraut gibt die Richtung vor. Pfefferminze, Salbei, Kamille, Fenchel, Thymian, Brennnessel. Davon brauchst du weniger, sonst überdeckt es alles.

Die Spitze ist die kleine Menge, die den Unterschied macht: Zitronenschale, Ingwerstücke, Anis, Kardamom, Rosenblüten, Süßholzwurzel.

Als Verhältnis funktioniert 5 zu 3 zu 2 nach Gewicht. Bei 100 Gramm Mischung also 50 Gramm Grundkraut, 30 Gramm Charakterkraut, 20 Gramm Spitze.

Wieg ab statt zu schätzen. Getrocknete Pfefferminze wiegt bei gleichem Volumen ein Vielfaches von Lindenblüten — nach Augenmaß gemischt kippt jede Rechnung.

Sechs Mischungen mit Mengen

Abendmischung. 50 g Melisse, 30 g Kamille, 20 g Lavendelblüten. Mild, blumig, ohne Koffein.

Magenmischung. 50 g Fenchelsamen (angequetscht), 30 g Anis, 20 g Kümmel. Der Klassiker, süßlich und wärmend.

Halsmischung. 50 g Thymian, 30 g Salbei, 20 g Lindenblüten. Kräftig und würzig — Salbei nicht höher dosieren, er wird schnell bitter.

Frische Sommermischung. 50 g Brombeerblätter, 30 g Pfefferminze, 20 g Zitronenschale von unbehandelten Früchten. Schmeckt auch kalt.

Würzige Wintermischung. 50 g Rooibos, 30 g Ingwerstücke, 20 g Zimt und Kardamom zu gleichen Teilen.

Kräutergartenmischung. 50 g Melisse, 30 g Brennnessel, 20 g Ringelblumenblüten. Grün im Geschmack, kräftig in der Farbe.

Für alle gilt: ein gehäufter Teelöffel auf 200 bis 250 Milliliter kochendes Wasser, zugedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Der Deckel hält die ätherischen Öle im Aufguss statt an der Zimmerdecke.

Selbst sammeln — was erlaubt ist

§ 39 Bundesnaturschutzgesetz regelt die sogenannte Handstraußregelung. Jeder darf wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige aus der Natur entnehmen — an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf und pfleglich.

Gewerbsmäßiges Sammeln ist davon nicht gedeckt und braucht eine Genehmigung. Besonders geschützte Arten fallen unter § 44 und sind ganz tabu.

Praktische Grenzen kommen dazu. Nicht am Straßenrand sammeln, nicht am Feldrand konventioneller Äcker, nicht auf Hundewiesen. Naturschutzgebiete sind ausgenommen.

Und die wichtigste Regel: Sammle nur, was du sicher bestimmen kannst. Bei Doldenblütlern ist die Verwechslungsgefahr real und gefährlich.

Trocknen, fermentieren, aufbewahren

Für Blätter reicht Lufttrocknung. Locker ausgebreitet an einem luftigen, schattigen Ort, bis sie beim Biegen brechen statt sich zu falten.

Direkte Sonne bleicht Farbe und Aroma aus. Im Backofen geht es auch, aber nur bei niedriger Temperatur und mit angelehnter Tür.

Brombeer- und Himbeerblätter lassen sich zusätzlich fermentieren. Das Bundeszentrum für Ernährung beschreibt den Weg: junge Blätter einige Stunden auf einem sauberen Leinentuch anwelken lassen, zerkleinern und walzen, fest zusammengerollt in ein dichtes Gefäß oder eine Tüte geben.

Bei 25 bis 30 Grad dauert die Fermentation drei bis fünf Tage. Danach werden die Blätter an einem luftigen Ort getrocknet und in ein dunkles Schraubglas oder eine luftdichte Dose gefüllt.

Zu feucht eingelagert schimmelt alles. Deshalb erst vollständig trocknen, dann verschließen — und im ersten Monat einmal nachsehen.

Pyrrolizidinalkaloide: der Punkt, den du kennen solltest

In Kräutertees wurden wiederholt Pyrrolizidinalkaloide gefunden. Sie stammen aus Beikräutern wie Jakobskreuzkraut, die beim Ernten mit eingesammelt werden — die Teekräuter selbst bilden diese Stoffe nicht.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung stuft 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide als problematisch ein und hat keinen Richtwert für eine unbedenkliche Aufnahme abgeleitet.

Seit dem 1. Juli 2022 gelten EU-Höchstgehalte. Für Kräutertee liegen sie bei 200 Mikrogramm je Kilogramm, für Rooibos, Anis, Melisse, Kamille, Thymian, Pfefferminze und Verbene bei 400, für Tee aus Camellia sinensis bei 150 und für Säuglings- und Kleinkindertee bei 75.

Wer selbst sammelt, hat keine Laborkontrolle. Der einzige Schutz ist sauberes Ernten: nur die Pflanze pflücken, die du willst, und den Korb vor dem Trocknen noch einmal durchgehen.

Häufige Fragen

Wie lange hält selbst gemachter Kräutertee?

Dunkel, trocken und luftdicht etwa ein Jahr. Danach ist er nicht verdorben, verliert aber Farbe und Duft.

Welche Kräuter passen als Grundlage?

Melisse, Brombeer- und Himbeerblätter, Lindenblüten und Rooibos. Alle schmecken mild und werden auch nach zehn Minuten nicht bitter.

Kann ich frische statt getrockneter Kräuter nehmen?

Ja. Rechne etwa die dreifache Menge, weil frische Kräuter überwiegend aus Wasser bestehen. Aufheben lassen sie sich aber nicht.

Muss ich Kräuter waschen?

Aus dem eigenen Garten reicht Abschütteln — nasse Blätter trocknen schlecht und schimmeln leichter. Bei Zweifeln an der Sauberkeit kurz abbrausen und gründlich abtupfen.

Wie viel Mischung brauche ich pro Tasse?

Ein gehäufter Teelöffel auf 200 bis 250 Milliliter. Bei sehr voluminösen Blüten eher zwei.

Darf ich Kräuter im Wald sammeln?

In geringen Mengen für den eigenen Bedarf ja, sofern kein Betretungsverbot besteht. In Naturschutzgebieten und bei geschützten Arten nicht.

Quellen

§ 39 Bundesnaturschutzgesetz: Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen
Bundeszentrum für Ernährung: Brombeerblättertee selbst gemacht
BfR: Fragen und Antworten zu Pyrrolizidinalkaloiden in Lebensmitteln
Verordnung (EU) 2020/2040: Höchstgehalte für Pyrrolizidinalkaloide

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Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.

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