Grüner Tee als Cold Brew: Anleitung, Ziehzeit, Sicherheit

Kurzantwort: Grüner Tee eignet sich gut für den kalten Aufguss. Nimm rund 10 bis 12 Gramm Blätter auf einen Liter kaltes Wasser, stell die Kanne sechs bis zwölf Stunden in den Kühlschrank und seih ab. Der Aufguss schmeckt milder und weniger herb als der heiße. Trink ihn innerhalb eines Tages.

Cold Brew klingt nach Kaffeebar, ist beim Tee aber die ältere Idee. In Japan heißt der kalte Aufguss Mizudashi und wird seit Langem so gemacht.

Der Reiz liegt im Geschmack. Kaltes Wasser löst Bitterstoffe schlechter aus dem Blatt, süßliche und blumige Töne treten hervor.

Hier steht die Anleitung, die Erklärung dahinter — und der Punkt, an dem der kalte Aufguss zum Hygienethema wird.

Was beim kalten Aufguss anders läuft

Heißes Wasser löst fast alles aus dem Blatt: Koffein, Aminosäuren, Gerbstoffe, Aromen. Kaltes Wasser ist wählerisch.

Gerbstoffe und Koffein brauchen Wärme, um schnell in Lösung zu gehen. In kaltem Wasser passiert das langsam und unvollständig.

Aminosäuren wie Theanin lösen sich dagegen auch kalt gut. Deshalb verschiebt sich das Verhältnis: weniger Herbes, mehr Süßlich-Weiches.

Die deutschen Leitsätze für Tee halten fest, dass Tee üblicherweise mit heißem Wasser über 60 Grad zubereitet wird. Der Kaltaufguss ist die ausdrückliche Ausnahme, auf die auf der Packung hingewiesen wird.

So machst du Cold Brew mit grünem Tee

Rechne mit 10 bis 12 Gramm loser Blätter auf einen Liter kaltes Wasser. Das sind etwa fünf bis sechs gehäufte Teelöffel.

Gib die Blätter direkt in die Karaffe oder in ein großes Sieb. Enge Teebeutel bremsen die Extraktion, weil das Wasser kaum ans Blatt kommt.

Ab in den Kühlschrank. Sechs Stunden reichen für einen leichten Aufguss, zwölf Stunden geben mehr Körper.

Danach abseihen. Bleiben die Blätter drin, zieht der Tee weiter und wird mit den Stunden herb.

Feinblättrige japanische Sorten wie Sencha oder Gyokuro liefern kalt besonders viel Süße. Kräftige chinesische Grüntees brauchen eher die längere Seite der Zeitspanne.

Auf dem Küchentisch statt im Kühlschrank geht es schneller, rund drei bis vier Stunden. Sicherer ist der Kühlschrank, weil sich bei Zimmertemperatur Keime vermehren können.

Eine Waage lohnt sich hier mehr als beim heißen Aufguss. Ein Teelöffel Gyokuro wiegt fast doppelt so viel wie ein Teelöffel luftiger Bancha, und bei einem Liter summiert sich der Unterschied.

Warum er milder schmeckt

Die Herbheit im Grüntee kommt von den Catechinen, einer Gruppe von Gerbstoffen. Sie gehen bei Hitze zügig ins Wasser über.

Bei Kühlschranktemperatur bleibt ein Teil davon im Blatt. Der Aufguss wird weicher, ohne dass du weniger Tee nimmst.

Das macht den kalten Aufguss fehlerverzeihend. Zu lange gezogen schmeckt er selten so unangenehm wie ein heißer Tee, den du vergessen hast.

Zucker braucht er meist keinen. Wer mag, gibt Zitronenscheiben oder Minze mit ins Wasser.

Auf Eis verdünnt sich der Aufguss schnell. Wer den Geschmack halten will, friert einen Teil des fertigen Tees als Würfel ein.

Koffein im kalten Aufguss

Koffein löst sich in kaltem Wasser schlechter. Ein kalter Aufguss enthält deshalb weniger davon als derselbe Tee heiß aufgegossen.

Wie viel weniger, hängt an Blattmenge, Zeit und Sorte. Belastbare Werte für die heimische Karaffe gibt es kaum, die Spanne in den Untersuchungen ist groß.

Koffeinfrei ist Cold Brew nicht. Wer am Abend empfindlich reagiert, sollte ihn wie jeden Grüntee behandeln.

Zur Orientierung: Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis zu 400 Milligramm Koffein am Tag und Einzeldosen bis 200 Milligramm für unbedenklich. Für Schwangere liegt der Wert bei 200 Milligramm am Tag.

Welche Tees kalt dürfen — und welche nicht

Grüner, schwarzer, weißer und Oolong-Tee werden bei der Herstellung erhitzt. Mögliche Keime auf dem Blatt überstehen das in aller Regel nicht.

Kräuter- und Früchtetees werden nach der Ernte oft nur getrocknet. Verbraucherzentralen weisen deshalb darauf hin, dass darin Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze stecken können.

Diese Tees brauchen kochendes Wasser und eine ausreichende Ziehzeit, damit sie sicher sind. Wer sie kalt trinken will, brüht sie heiß auf und kühlt sie danach ab.

Ausgenommen sind Mischungen, die ausdrücklich als für den Kaltaufguss geeignet gekennzeichnet sind. Sie werden mit Heißdampf behandelt, um den Keimgehalt zu senken.

Für Kinder, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gilt das besonders streng.

Haltbarkeit und Aufbewahrung

Der fertige Aufguss gehört sofort in den Kühlschrank, in ein sauberes, verschlossenes Gefäß.

Trink ihn innerhalb von 24 Stunden. Tee ist ein wasserreiches Lebensmittel ohne Konservierung, und bei Zimmertemperatur vermehren sich Keime schnell.

Lass die Karaffe nicht stundenlang auf dem Gartentisch stehen. Ein Kühlelement oder ein schattiger Platz macht hier den Unterschied.

Trübung, säuerlicher Geruch oder Fäden im Glas sind ein Grund zum Wegschütten.

Eine leichte Trübung direkt nach dem Abseihen ist harmlos. Sie kommt von feinen Blattpartikeln und setzt sich im Kühlschrank ab.

Flaschen mit weiter Öffnung lassen sich gründlicher reinigen als schmale Karaffen. Heiß ausspülen reicht, ein Gang in der Spülmaschine ist besser.

Häufige Fragen

Wie lange muss grüner Tee kalt ziehen?

Sechs bis zwölf Stunden im Kühlschrank. Kürzer bleibt er dünn, deutlich länger wird er herb.

Kann ich Teebeutel für Cold Brew nehmen?

Ja, wenn es Tee aus Camellia sinensis ist. Der Beutel bremst die Extraktion, deshalb eher länger ziehen lassen.

Ist kalt aufgegossener Tee gesünder?

Dafür gibt es keinen Beleg. Er enthält andere Anteile derselben Inhaltsstoffe, gesundheitliche Vorteile gegenüber heißem Tee sind nicht gezeigt.

Darf ich Kräutertee kalt aufgießen?

Nur, wenn die Packung ihn ausdrücklich als für den Kaltaufguss geeignet ausweist. Sonst heiß aufbrühen und danach kühlen.

Kann ich die Blätter ein zweites Mal verwenden?

Ja, ein zweiter kalter Aufguss funktioniert. Er fällt schwächer aus und braucht mehr Zeit.

Was ist der Unterschied zu Eistee?

Eistee wird heiß aufgebrüht und danach gekühlt, oft gesüßt. Beim Cold Brew berührt der Tee nie heißes Wasser.

Quellen

BMLEH: Leitsätze für Tee, Kräuter- und Früchtetee
Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern: Was ist eigentlich „Cold Brew“ Tee?
EFSA: Koffein — Bewertung unbedenklicher Mengen

Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.

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