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Kurzantwort: Chun Mee ist ein grüner Tee aus China. Der Name bedeutet „kostbare Augenbraue“ und beschreibt die Blattform: schmal, gebogen, zu feinen Bögen gerollt. Er schmeckt kräftig und herb, oft mit einem leicht rauchigen Zug. Gieß ihn mit rund 80 Grad auf und lass ihn zwei bis drei Minuten ziehen.
Chun Mee steht in fast jedem deutschen Teeregal. Meist ohne große Erklärung, oft einfach als „China Grüntee“.
Dabei ist er einer der ältesten Handelsnamen im Grüntee überhaupt. Und einer der wenigen, den du am Blatt erkennst, bevor du ihn probiert hast.
Hier steht, woher er kommt, wie er verarbeitet wird, was die kryptischen Zahlen auf mancher Packung bedeuten und wie du ihn so aufgießt, dass er nicht bitter wird.
Was der Name bedeutet
Chun Mee ist die eingedeutschte Schreibweise des chinesischen Handelsnamens. Übersetzt heißt er „kostbare Augenbraue“.
Der Name meint die Form. Die fertigen Blätter sind lang, schmal und leicht gekrümmt — wie eine fein gezogene Augenbraue.
Du findest daneben die Schreibweisen Chun Mei und Zhen Mei. Gemeint ist dieselbe Machart.
Chun Mee ist keine Pflanzensorte. Es ist eine Verarbeitungsart, die auf verschiedenen Teegärten mit verschiedenen Blättern angewandt wird.
Wo Chun Mee wächst
Ursprünglich stammt der Tee aus der Provinz Jiangxi im Südosten Chinas.
Heute wird er auch in Anhui und Zhejiang produziert. Außerhalb Chinas haben Teegärten in Taiwan, Indien und Indonesien die Machart übernommen.
Für die Packung hat das Folgen. Nach den deutschen Leitsätzen für Tee darf eine geografische Angabe nur stehen, wenn der Tee ausschließlich aus dem genannten Gebiet kommt. „China Chun Mee“ bedeutet also China. „Chun Mee“ allein sagt über die Herkunft nichts.
Wer wissen will, wo sein Tee gewachsen ist, sucht die Herkunftsangabe auf der Rückseite. Fehlt sie, ist die Frage offen.
Wie aus dem Blatt der Bogen wird
Grüner Tee wird nicht fermentiert. Damit das Blatt grün bleibt, werden die Enzyme direkt nach der Ernte durch Hitze gestoppt.
In China geschieht das meist in der Pfanne, in Japan mit Wasserdampf. Chun Mee gehört zur chinesischen Machart.
Danach wird gerollt. Beim Chun Mee dreht die Maschine das Blatt in die Länge, bis der typische Bogen entsteht. Zum Schluss wird getrocknet.
Das Rollen bricht Zellwände auf. Deshalb geben die Blätter ihre Inhaltsstoffe zügig ab — und deshalb reagiert Chun Mee empfindlich auf zu heißes Wasser.
Wie Chun Mee schmeckt
Kräftig, herb, mit deutlicher Adstringenz. Die Tasse bleibt hell, oft blassgelb bis hellgrün.
Viele beschreiben eine leicht rauchige oder pflaumige Note. Süß ist er nicht.
Im Vergleich zu japanischem Sencha fehlt ihm das Grasige und der Umami-Ton. Chun Mee ist trockener im Abgang und weniger vegetabil.
Wer Grüntee bisher nur als milden Beuteltee kennt, erlebt hier mehr Kante. Das ist Absicht — Chun Mee war jahrzehntelang der Standard-Grüntee des chinesischen Exports.
Der Geschmack schwankt zwischen den Jahrgängen stärker, als du es von Beuteltee gewohnt bist. Ein Tee aus der ersten Ernte im Frühjahr schmeckt feiner als einer aus dem Spätsommer.
Falls dir die Herbheit zu viel ist: weniger Blatt nehmen, nicht kürzer ziehen. Kürzere Zeit nimmt vor allem Aroma, die Adstringenz bleibt.
Die Zahlen auf der Packung
Auf loser Ware stehen manchmal vierstellige oder fünfstellige Zahlen: 9371 zum Beispiel, oder 41022.
Das sind Handelsklassen aus dem chinesischen Export. Sie beschreiben Blattgröße und Machart, grob gesagt die Sortierung.
Höhere Klassen bestehen aus ganzen, gleichmäßig gerollten Blättern. Niedrigere enthalten mehr Bruch.
Eine gesetzlich geregelte Qualitätsskala ist das nicht. Die Zahl sagt etwas über die Sortierung, nichts über Anbau, Erntezeitpunkt oder Schadstoffe.
Verlässlicher als die Zahl ist der Blick ins Glas: gleichmäßige, feste Bögen ohne viel Staub sprechen für sorgfältige Sortierung.
So bereitest du ihn zu
Rechne mit rund einem gehäuften Teelöffel je Tasse. Das entspricht etwa zwei Gramm auf 200 Milliliter.
Das Wasser sollte bei etwa 80 Grad liegen. Koche es auf und lass es fünf Minuten offen stehen, wenn du kein Thermometer hast.
Zwei bis drei Minuten ziehen lassen. Länger macht ihn hart und bitter, weil mehr Gerbstoffe ins Wasser gehen.
Ein zweiter Aufguss lohnt sich. Nimm dann etwas heißeres Wasser und eine kürzere Zeit — die Blätter sind schon geöffnet.
Milch gehört nicht dazu. Zitrone hellt die Tasse auf und nimmt der Herbheit die Spitze, verändert den Geschmack aber deutlich.
Kalkhaltiges Wasser drückt den Geschmack und legt einen matten Film auf die Oberfläche. Gefiltertes Wasser hilft hier mehr als jede teurere Teesorte.
Lass die Blätter beim Ziehen Platz haben. Ein enger Teebeutel oder ein vollgestopftes Sieb hält das Wasser vom Blatt fern, und der Aufguss bleibt dünn.
Häufige Fragen
Wie viel Koffein hat Chun Mee?
Genaue Werte hängen von Blattmenge, Temperatur und Ziehzeit ab. Eine übliche Tasse Grüntee liegt grob bei einem Viertel bis einem Drittel einer Tasse Filterkaffee. Die EFSA hält für gesunde Erwachsene bis zu 400 Milligramm Koffein am Tag für unbedenklich.
Ist Chun Mee dasselbe wie Gunpowder?
Nein. Beides sind chinesische Grüntees, die Rollung unterscheidet sie. Gunpowder wird zu Kugeln gedreht, Chun Mee in die Länge gerollt.
Warum schmeckt mein Chun Mee bitter?
Meist ist das Wasser zu heiß oder die Ziehzeit zu lang. Geh auf 80 Grad herunter und bleib unter drei Minuten.
Kann ich Chun Mee kalt aufgießen?
Ja. Grüner Tee wird bei der Herstellung erhitzt, deshalb ist der kalte Aufguss bei ihm unbedenklicher als bei Kräuter- oder Früchtetee. Rechne mit sechs bis zwölf Stunden im Kühlschrank.
Wie lagere ich ihn?
Dunkel, trocken, luftdicht und weit weg von Gewürzen oder Kaffee. Grüntee nimmt Fremdgerüche schnell an und verliert im Licht seine Farbe.
Wie beliebt ist Grüntee in Deutschland?
Er bleibt ein Nischenprodukt. Laut Tee Report 2025 des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands entfielen vom Pro-Kopf-Verbrauch rund 27 Liter auf Schwarz- und Grüntee zusammen, der Rest auf Kräuter- und Früchtetee.
Quellen
Wikipedia: Chun Mee — Name, Herkunft und Handelsklassen
BMLEH: Leitsätze für Tee, Kräuter- und Früchtetee
Deutscher Tee & Kräutertee Verband: Tee Report 2025
EFSA: Koffein — Bewertung unbedenklicher Mengen
Geschrieben von Mira, Redaktion teegeflüster.de — sie schreibt hier über Tee, Zubereitung und was drinsteckt.






